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BRUNECK (ea). Dass Dario Fos Farce "Bezahlt wird
nicht", an die sich die Pustertaler Theatergemeinschaft heranwagt, in den siebziger
Jahren entstanden ist, merkt man sofort. Da ist von zivilem Ungehorsam die Rede, vom
profitgierigen Bourgeois und geknechteten Proletarier, über den das Damoklesschwert der
völligen Verarmung droht. Dario Fo nutzt in seinem radikalen, 1974 uraufgeführten
Voksstück die Wirkung der Klamotte und Verwechslungsfarce, um soziale Missstände
anzuprangern und das revolutionäre Bewusstsein zu fördern.
"Bezahlt wird nicht" ist nämlich die Parole der Arbeiterfrauen, die sich
empören über neuerliche Preissteigerungen zusammenrotten und einen Supermarkt
überfallen. Gegen den "Diebstahl von oben" setzen die beiden resoluten Frauen
die "Enteigungn von unten" und bringen dadurch ihre Männer in Verlegenheit,
deren revolutionärer Elan zunächst an ihrer Ehrlichkeit scheitert. Im Laufe der
irrwitzigen Situationen, die sich bis zu einem scheintoten Polizisten steigern, machen die
Ehemänner die Entwicklung vom braven Arbeiter zum Protestierer durch.
Regisseur Hans Strobl hat die politische Kampfansage ans Establishment zwar nicht
gänzlich aufgehoben, hat sie aber auf ein Niveau reduziert, das ihm heute noch
erträglich scheint. Seine Inszenierung lebt von Situationskomik, vom hohen Tempo und der
Spielfreunde der fünf Akteure. Für eine Amateurbühne waren vor allem die Leistungen von
Siglinde Horvat, Peter Niederegger, Cornelia Brugger, Josef Mairginter und Rudy Irenberger
beachtlich.
Das Stück: "Bezahlt wird nicht!"
Die Geschichte erzählt von zwei Arbeiterfamilien,
die sich abquälen und kämpfen, wobei sie die Waffe des "zivilen Ungehorsams"
gebrauchen. Die Triebfeder, der Schlüssel zum Ganzen, ist der Hunger. Um das Problem des
Appetits zu lösen, versucht es jeder zunächst für sich auf eigene Weise, um dann das
Bedürfnis zu verspüren, gemeinsam zu agieren, sich zu organisieren und vereint zu
kämpfen, um mehr zu erreichen als das bloße Überleben, nämlich wahrhaft und als
zufriedener Mensch zu leben.
Die Farce führt den Emanzipationsprozeß zweier Arbeiterfrauen von ihren traditionellen
Frauenrollen, von staatlichen und kirchlichen Autoritäten vor; die Männer lernen, ihre
politische Verantwortung selbst in die Tat umzusetzen.
Ein Schwank, der alle Wirkungen der Klamotte, des Verwechslungsspiels nutzt, um soziale
Mißstände anzuprangern - tagespolitische Ereignisse, satirisch verpackt, um sie dem
Theaterpublikum genießbar zu machen.
Der Autor: Dario Fo
Geboren am 24.03.1926 in Sangiano (Varese) Seine
Kindheit und Jugend verbrachte Fo im italiensisch-schweizerischen Grenzgebiet am Lago
Maggiore, sein Vater war politisch aktiver Eisenbahner. 1945 begann Fo ein
Architekturstudium, das er bald zugunsten seiner erfolgreichen Auftritte als Komiker
abbrach. Er schrieb Farcen und Komödien, arbeitete kurzzeitig beim Film und entschied
sich 1958 endgültig fürs Theater. Mit seiner Frau Franca Rame gründete er die
Schauspielgruppe "Compagnia Fo-Rame", deren Komödienaufführungen in Italien
und sogar im Ausland bekannt wurden.
1968/69, zur Zeit der Studentenrevolten und der Streikwelle in Italien, radikalisierte
sich Fo politisch und gründete ein neues Theaterkollektiv außerhalb des bürgerlichen
Theaterbetriebs, die "Nuova Scena". Inhaltlich wollten die Stücke der
"Nuova Scena" die Geschichte Italiens aus kommunistischer Sicht darstellen. Die
radikal-kritische Haltung Fos machte indes bald auch vor der KPI und ihrer Kulturpolitik
nicht halt, er brach mit der parlamentarischen Opposition und wandte sich der
außerparlamentarischen Linken zu. Daraufhin spaltete sich 1970 die "Nuova
Scena", ein neues Ensemble, "La comune", wurde gegründet. Es versteht sich
als "Chronik der Zeit". Die Stücke gehen jeweils von einer aktuellen
politischen Situation aus, die als Farce gestaltet wird: "Zufälliger Tod eines
Anarchisten" (1970), Peng, Peng! - Wer ist da? - Die Polizei! (1972), "Bezahlt
wird nicht" (1974), "Mamma hat den besten Shit" (1976), "Nur Kinder,
Küche, Kirche" (1977), "Sprechen wir von den Frauen" (1980).
Seit 1974 kann das Kollektiv seine Stücke im festen Haus, der "Palazzina
Liberty" in Mailand aufführen. Improvisation und Komik sind die wesentlichen Mittel
dieses "Volkstheaters", mit dem sich Fo vom heiligen Ernst des aristokratischen
Theaters absetzt.
Mit der Verleihung des Literatur-Nobelpreises 1997 wurde dem streitbaren Autor die
wertvollste aller Ehrungen zuteil.
Der Spielleiter: Hans Strobl
Jahrgang 1955. Hat mit seinem Heimatverein THEATER
WAHLEN irgendwann angefangen, gegen den Theater-Strom zu schwimmen. In einem
200-Seelendorf alles eher als landläufige Theaterstücke zu inszenieren, war riskant.
1997/98 Absolvent des zweijährigen Lehrganges für angewandte Theaterpädagogik. Ist
seither bei Inszenierungen überzeugter Anwender theaterpädagogischer Grundsätze. Spornt
die Schauspieler an, ihre Erfahrungen, Erlebnisse, Beobachtungen, ihr eigenes erlebtes
Leben für das Spiel und für die eigene Rolle nutzbar zu machen.
Seine letzten Arbeiten als Spielleiter:
"Rosa und Alois" von Hannes Decker (1994)
"Kirsch und Kern" von Ludwig Bender (1995)
"Das Lied der Wölfe" von Eva Patzig (1996)
"Zimmer frei" von Markus Köbeli (1997)
"Holzers Peepshow" von Markus Köbeli (1998)
Das Ensemble: PUSTERTALER THEATERGEMEINSCHAFT
Die PUSTERTALER THEATERGEMEINSCHAFT gab ihr Debut
mit "Michael Gaismair" von Franz Kranewitter (Regie - Peter Mitterrutzner,
insgesamt 48 Mitwirkende) zum Tiroler Gedenkjahr 1984. Ihre Mega-Inszierungen setzte sie
1992 mit dem Volksstück "Das vierte Gebot" von Ludwig Anzengruber (Regie - Edi
Braunhofer, 44 Mitwirkende) und dem Singspiel "Graf Schorschi" von Carl Borro
Schwerla (Regie - Edi Braunhofer, 58 Mitwirkende) fort. 1995 gestaltete sie die
Eröffnungsfeier für die Biathlon-WM in Antholz, mit der Szenenfolge "Bilderbuch aus
der heimischen Sagenwelt" (Regie - Elmar Drexel, 50 Mitwirkende). Die Inszenierung
einer Pustertaler Hochzeitsgesellschaft für die ARD-Fernsehreihe "Wunderland"
mit Michael Schanze (28 Mitwirkende) und die Beteilung am kanadischen Historienfilm
"Die rote Violine" (Regie - Francois Girard, 18 Mitwirkende) runden die
bisherige Tätigkeit der PUSTERTALER THEATERGEMEINSCHAFT ab.
Verkrustetes Vereinsdenken abbauen, über den Vereinszaun hinausschauen, neue
Herausforderungen mit neuen Leuten suchen, Weiterbildung im Theater genießen,
Gemeinschaft erleben, das Theater in den Vordergrund stellen - das waren seit jeher die
vorrangigen Zielle PUSTERTALER THEATERGEMEINSCHAFT.
Das aktuelle Stück "Bezahlt wird nicht!" soll nicht nur eine Zwischenstation zu
weiteren großen Inszenierungen sein. In diesem besonderen Fall gibt die PTG einem
Theaterpädagogen das Heft in die Hand und will damit andere Theatergruppen anspornen,
einheimische Regisseure zu verpflichten anstatt kostspielige Katzen aus dem deutschen Sack
zu kaufen. Außerdem wird mit dieser Arbeit jenen Theaterleuten eine Spielwiese angeboten,
die entweder als "theatersüchtig" einzustufen sind oder aus den verschiedensten
Gründen in ihren Heimatvereinen nicht zum Zuge kommen. Schließlich war aber auch das
Stück selbst Anreiz, den Südtiroler Amateurtheatergruppen aufzuzeigen, daß Volksstücke
dieses Kalibers - wenn auch ihre Machart nicht alltäglich ist - hierzulande bestens
ankommen.
Die Aufführungen
| Freitag | 12.11.1999 - Premiere | Kolpinghaus Bruneck |
| Dienstag | 16.11.1999 | Kolpinghaus Bruneck |
| Mittwoch | 17.11.1999 | Kolpinghaus Bruneck |
| Freitag | 19.11.1999 | Grundschule Wahlen |
| Sonntag | 21.11.1999 | Grundschule Wahlen |
| Mittwoch | 24.11.1999 | Mittelschule Vintl |
| Freitag | 26.11.1999 | Mittelschule Vintl |
jeweils um 20.30 Uhr
Kartenvorverkauf - ab 6. November
BAR LIBERTY, Bruder-Willram-Straße 17/A, 39031 BRUNECK
Tel. 0474/411086 - von 9.00 bis 15.00 Uhr
PZ Nr. 21-224/99 - Freitag, 15. Oktober 1999
Die Pustertaler Theatergemeinschaft geht einen neuen Weg,
wenn sie sich zwischen Theaterprojekten wie "Das vierte Gebot" von Ludwig
Anzengruber (1992, Regie Edi Braunhofer - insgesamt 52 Mitwirkende) und "Graf
Schorschi" von Carl Borro Schwerla (1996, Regie Edi Brauhofer - insgesamt 62
Mitwirkende) jetzt einer überschaubareren Arbeit widmet.
Obwohl im nächsten oder übernächsten Jahr wieder ein Mammutprojekt geplant ist, wird
jetzt ein kleines Projekt betreut, dem ebenso das Prinzip der Übergemeindlichkeit
zugrunde liegt und von Schauspielern getragen wird, die aus den verschiedesten Gründen in
ihren Heimatvereinen nicht zum Zuge kommen.
Gespielt wird die Farce "Bezahlt wird nicht!" von Dario Fo, dem
Literatur-Nobelpreisträger von 1998. In diesem radikalen Volksstück schwingt das Enfant
terrible der italienischen Theaterszene den Holzhammer gegen Kapital und Kommunismus,
läßt dann aber doch Situationskomik und Witz siegen.
Hans Strobl inszeniert dieses Stück nach theaterpädagogischen Grundsätzen, die er im
zweijährigen Lehrgang für angewandte Theaterpädagogik erlernt hat. Eine Herausforderung
sowohl für Spieler (Cornelia Brugger, Siglinde Horvat , Rudy Irenberger, Josef Mairginter
und Peter Niederegger) als auch für den Regisseur und vor allem ein Versuch, die
ausgebildeten Theaterpädagogen in den Prozeß des Südtiroler Laientheaters
einzugliedern.
Aufführungen am 12., 16. und 17.11. (Kolpinghaus Bruneck), 19. und 21.11. (Grundschule
Wahlen), 24. und 26.11.1999 (Mittelschule Vintl).
Zuletzt bearbeitet: 22. Februar 2002
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