Mitglied im Südtiroler Theaterverband

Pustertaler Theatergemeinschaft
Peppe Mairginter, In der Au 3, I-39038 Innichen (S?dtirol)
Telefon: +39-0474-913132 - Fax: +39-0474-914099

 
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Platzreservierung
Tel. 349/3848681

"Die Eisernen"

Eine Tragikomödie von Aldo Nicolaj
Regie: Alfred Meschnigg

Aus: Pustertaler Zeitung Nr. 26-498/08 - Freitag, 19. Dezember 2008

Die Leiden der jungen Alten
 
Alte wehren sich (v. l.): Gianni (Peppe Mairginter), Luigi (Paul Beikircher) und Ambra (Angelika Plank)
Foto: Hermann Maria Gasser

Die Pustertaler Theatergemeinschaft hat heuer die Tragikomödie "Die Eisernen" von Aldo Nicolaj auf die Bühne gebracht. Das Stück handelt vom Altwerden - mit seinen wenigen hellen und den vielen dunklen Seiten: "Wenn uns die Gesellschaft bloß ein bisschen besser behandeln würde!"
Das Dreipersonenstück wurde zwar bereits 1974 in Budapest uraufgeführt und zählt zu den meistgespielten Werken des italienischen Autors Aldo Nicolaj, aber die Tragikomödie um die drei Senioren hat bis heute nichts von ihrer Aktualität eingebüßt. Im Gegenteil, denn die Lebenserwartung steigt rapide, alt wird fast jeder und den Tod haben wir schon fast völlig aus unserem Bewusstsein verdrängt. Wir haben die Großfamilie abgeschafft und bauen Wohnungen, in denen höchstens zwei Generationen Platz haben. Also schieben wir die Alten in Heime ab, die aus allen Nähten platzen. Da stellt sich so manchem Senior bange Fragen: Wie wird es aussehen, das Altsein? Werde ich - alt und gebrechlich - von den Kindern bloß noch geduldet? Werde ich einsam und allein vor mich hinkränkeln oder bin ich doch noch fähig zu einem selbst bestimmten Leben?

In "Die Eisernen" liefern die drei liebenswürdigen Figuren Luigi (Paul Beikircher), Gianni (Peppe Mairginter) und Ambra (Angelika Plank) einen kleinen Vorgeschmack auf diesen letzten Lebensabschnitt: Die betagte Jungfer (eine ehemalige Kindergärtnerin) und die beiden 79jährigen Männer treffen sich auf einer Parkbank und kommen vorsichtig miteinander ins Gespräch. Niemand will anfangs zuviel von sich verraten, jeder möchte sich vor den anderen möglichst gut darstellen, möchte der Jüngere, Gesündere und besser Situierte mit der liebevolleren Familie sein. Doch schon bald merken die drei Alten, dass sie einander in vielen Punkten ähnlich sind, dass Eitelkeiten und Angebereien sie hindern, Freunde zu werden. Die durchaus attraktive Ambra versucht, sich an Luigi heranzumachen. Dem aber ist die Freundschaft zu Gianni wichtiger. Und Gianni versucht alles, um Ambra nicht in diese Freundschaft eindringen zu lassen. Irgendwann halten die beiden Männer es zu Hause nicht mehr aus, sie fühlen sich von ihren Kindern ausgenutzt, bei denen sie wohnen und denen sie ihre Pensionen abliefern. Aus Furcht, bald in ein Altersheim abgeschoben zu werden, wollen die beiden Alten gemeinsam ausreißen, um weit weg in einem kleinen Fischerdorf den noch verbleibenden Rest ihres Lebens zu verbringen. Aber dazu kommt es nicht mehr: Luigi stirbt in der Aufregung des Aufbruchs in den Armen seines Freundes Gianni, der wohl allein an das Meer fährt. Zumindest ihm ist zu wünschen, dass ihm die Flucht in ein neues, selbst bestimmtes Leben gelingen möge, wo er Bitterkeit, Enttäuschung, Einsamkeit und Hilflosigkeit vergessen kann.

Komisch, poetisch und voll Verständnis für die Alten, die man nur zu gerne auf das Abstellgleis geschoben sehen möchte, stellt sich das Trio in den Dienst einer zutiefst humanen Aussage. Die Rollen sind bestens besetzt, die Schauspieler gehen in ihren Rollen geradezu auf, obwohl sie wesentlich jünger sind als die Bühnenfiguren. Die Sprache pendelt zwischen Dialekt und Hochsprache, was aber nicht weiter stört. Das Bühnenbild ist sehr einfach und trist gehalten (Parkbank im Herbst, Straßenlaterne), unterstreicht aber bestens den Inhalt. Regie führt Alfred Meschnigg aus Villach.

Der Pustertaler Theatergemeinschaft gelingt es mit diesem heiter-tragischen Boulevard-Stück, das Publikum zu begeistern und die hiesige Theaterszene zu beleben. Es müssen nicht immer große, spektakuläre Freilichtaufführungen sein, um das Publikum zu bewegen. Es können auch kleine Tragikomödien sein, die den Zuschauern einen Spiegel vorhalten und sie heiter-nachdenklich aus ihrem Bann entlässt.

Übrigens: Die Pustertaler Theatergemeinschaft ist sehr flexibel: Die Inszenierung der "Eisernen" wurde so konzipiert, dass in jedem Raum ab 60 Quadratmeter gespielt werden kann. Wer einen solchen Raum zur Verfügung hat, könnte das Ensemble zu einem Gastspiel einladen - das würde für unsere Breiten eine Novität, die es zu nutzen gilt. •hpl